Bernd Fischerauer zählt zu den prägenden Persönlichkeiten des deutschsprachigen Theaters und Fernsehens der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wer sich näher mit Bernd Fischerauer beschäftigt, entdeckt eine Laufbahn, die sich über Jahrzehnte erstreckte und von Theaterbühnen über Kinofilme bis hin zu aufwendigen Fernsehproduktionen reichte. In diesem Artikel werfen wir einen ausführlichen Blick auf sein Leben, seine wichtigsten Werke und seine Bedeutung für die österreichische und deutsche Kulturszene.
Wer war Bernd Fischerauer?
Bernd Fischerauer kam am 11. März 1943 in Graz zur Welt. Er wuchs in einer Zeit auf, die von den Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs geprägt war, und entwickelte schon früh ein starkes Interesse an darstellender Kunst. Nach dem Schulabschluss in seiner Heimatstadt zog es ihn nach Wien, wo er sein Handwerk von Grund auf erlernte. Später verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach München, wo er bis zu seinem Tod am 15. Mai 2017 lebte und arbeitete.
Sein beruflicher Werdegang war von einer bemerkenswerten Vielseitigkeit gekennzeichnet: Er war nicht nur Regisseur, sondern auch Schauspieler, Drehbuchautor und in späteren Jahren sogar Romanautor. Diese Kombination aus unterschiedlichen kreativen Rollen machte ihn zu einer echten Ausnahmeerscheinung in der Branche.
Die Ausbildung am Max Reinhardt Seminar
Ein entscheidender Wendepunkt in der Karriere von Bernd Fischerauer war seine Ausbildung am renommierten Max Reinhardt Seminar in Wien, die er im Jahr 1965 abschloss. Diese Institution gilt bis heute als eine der wichtigsten Schauspiel- und Regieschulen im deutschsprachigen Raum und hat zahlreiche bedeutende Künstler hervorgebracht. Die dort erworbenen handwerklichen Fähigkeiten bildeten das Fundament für seine spätere Arbeit sowohl auf der Bühne als auch vor und hinter der Kamera.
Nach seinem Abschluss sammelte er zunächst praktische Erfahrungen an Theatern in Graz, Wien und München. Diese frühen Jahre als Bühnenregisseur schärften seinen Blick für Dramaturgie und Erzählstruktur – Fähigkeiten, die ihm später beim Übergang zum Film enorm zugutekamen.
Der Durchbruch am Theater
Bereits 1968 sorgte Bernd Fischerauer für Aufsehen, als er die Grazer Erstaufführung von Wolfgang Bauers Debütstück inszenierte. Nur ein Jahr später begann er, am Wiener Volkstheater zu arbeiten, wo er sich rasch einen Namen als einfallsreicher und mutiger Regisseur machte.
Ein besonderer Höhepunkt dieser Theaterphase war seine Inszenierung eines weiteren Stücks von Wolfgang Bauer, die 1970 zum angesehenen Berliner Theatertreffen eingeladen wurde – eine der höchsten Auszeichnungen, die eine Theaterproduktion im deutschsprachigen Raum erhalten kann. Für seine Regiearbeit wurde er zudem mit dem Karl-Skraup-Preis als bester Regisseur ausgezeichnet, was seinen wachsenden Ruf in der Theaterwelt weiter festigte.
Der Wechsel zum Film
Aus dem Erfolg am Theater erwuchs eine neue kreative Richtung: Bernd Fischerauer entwickelte aus seiner erfolgreichen Bühneninszenierung ein Drehbuch und feierte damit 1975 sein Debüt als Filmregisseur. Dieser Schritt vom Theater zum Kino sollte sich als klug erweisen, denn in den folgenden Jahrzehnten etablierte er sich zunehmend als gefragter Filmemacher.
Zu seinen bekanntesten Arbeiten aus dieser Schaffensperiode zählt der Film “Der Salzbaron” aus dem Jahr 1994, der bis heute zu seinen meistdiskutierten Werken gehört. Auch die Serie rund um die Figuren Dr. Schwarz und Dr. Martin, die Mitte der 1990er Jahre entstand, trug maßgeblich zu seiner Popularität beim Fernsehpublikum bei.
Zeitgeschichte als wiederkehrendes Thema
Ein roter Faden, der sich durch das Schaffen von Bernd Fischerauer zieht, ist seine intensive Auseinandersetzung mit der deutschen und österreichischen Zeitgeschichte. Besonders eindrucksvoll zeigte sich dies in seiner vierstündigen Fernsehproduktion über die Jugend unter dem Nationalsozialismus, die 1982 ausgestrahlt wurde und großes öffentliches Interesse hervorrief.
Diese thematische Ausrichtung setzte er später fort: Von 2008 bis 2013 gestaltete er für den Bildungssender BR-alpha eine mehrteilige Reihe, die sich mit deutscher Geschichte zwischen den Jahren 1862 und 1949 befasste. Innerhalb dieser Reihe entstanden mehrere Spielfilme und Dokudramen. Ergänzend dazu drehte er 2014 ein eigenständiges Werk über die Flucht eines ranghohen SS-Offiziers nach Südamerika. Diese Filme zeigen, wie sehr es Bernd Fischerauer am Herzen lag, historische Verantwortung und Aufarbeitung filmisch greifbar zu machen.
Bernd Fischerauer als Schriftsteller
Nicht viele wissen, dass Bernd Fischerauer in den letzten Jahren seines Lebens auch als Romanautor tätig wurde. Sein erster Roman erschien im Frühjahr 2017 – nur wenige Monate vor seinem Tod. Dieses späte literarische Werk rundet das Bild eines Künstlers ab, der zeitlebens nach neuen Ausdrucksformen suchte und sich nie auf ein einziges Medium beschränken ließ.
Privates Leben
Bernd Fischerauer war mit der Schauspielerin Rita Russek verheiratet. Gemeinsam lebte das Paar in München und verbrachte zudem Zeit auf der italienischen Insel Elba, die für ihn offenbar ein wichtiger Rückzugsort war. Über sein Privatleben ist ansonsten wenig öffentlich bekannt, da er stets den Fokus auf seine berufliche Arbeit legte.
Warum Bernd Fischerauer bis heute relevant ist
Auch Jahre nach seinem Tod bleibt das Werk von Bernd Fischerauer relevant – nicht nur wegen seiner künstlerischen Qualität, sondern auch wegen seiner inhaltlichen Tiefe. Seine Bereitschaft, sich mit schwierigen Kapiteln der Geschichte auseinanderzusetzen, macht seine Filme zu wertvollen Dokumenten, die weit über reine Unterhaltung hinausgehen. Für Filmhistoriker, Theaterinteressierte und alle, die sich für deutschsprachige Kulturgeschichte interessieren, bleibt Bernd Fischerauer somit eine Figur, die es sich zu entdecken lohnt.
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Zusammenfassung
Die Karriere von Bernd Fischerauer erstreckte sich über fast fünf Jahrzehnte und umfasste Theaterregie, Filmregie, Schauspielerei und schließlich auch Literatur. Geboren 1943 in Graz, ausgebildet in Wien und beruflich verwurzelt in München, hinterließ er ein facettenreiches Werk, das sich immer wieder mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzte. Sein Tod im Jahr 2017 bedeutete den Verlust eines vielseitigen Künstlers, dessen Arbeiten jedoch weiterhin Bestand haben.
Häufig gestellte Fragen zu Bernd Fischerauer
Wann und wo wurde Bernd Fischerauer geboren?
Bernd Fischerauer wurde am 11. März 1943 in Graz, Österreich, geboren.
Wann ist Bernd Fischerauer gestorben?
Er verstarb am 15. Mai 2017 in München im Alter von 74 Jahren.
Welchen Beruf übte Bernd Fischerauer aus?
Er war in erster Linie Regisseur, arbeitete aber auch als Schauspieler, Drehbuchautor und in seinen letzten Lebensjahren als Romanautor.
Was sind die bekanntesten Werke von Bernd Fischerauer?
Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen der Film “Der Salzbaron” aus dem Jahr 1994 sowie seine Fernsehproduktion über die Jugend im Nationalsozialismus aus dem Jahr 1982.
Wo hat Bernd Fischerauer seine Ausbildung erhalten?
Er studierte am Max Reinhardt Seminar in Wien und schloss seine Ausbildung dort im Jahr 1965 ab.
Warum widmete sich Bernd Fischerauer häufig historischen Themen?
Ihm lag die Aufarbeitung der deutschen und österreichischen Zeitgeschichte am Herzen, was sich in mehreren seiner bekanntesten Filmproduktionen widerspiegelt, insbesondere in der Reihe, die er für den Sender BR-alpha realisierte.

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